Aurore Jecker

Helen W.

PROJEKTBESCHRIEB

Guten Tag.

Ich heisse Aurore Jecker und ich lebe in Lausanne. Ich bin im Kanton Freiburg aufgewachsen. Letzten Sommer haben mich am Festival Belluard in Freiburg innerhalb von zwei Abenden drei Personen gefragt, ob ich Helen W. kennen würde. Eine Frau, die mir anscheinend sehr gleicht. Eine Frau, die auch in Freiburg aufgewachsen ist, in einem Museum in Basel arbeitet und Skateboard fährt. 

Ich habe immer einen gewissen Respekt für das Skateboarden gehabt, ich finde diesen Sport sehr stilvoll. Ich sage mir: «Das ist ein Zeichen. Ich könnte diese Frau suchen und sie fragen, ob sie mir das Skateboarden beibringen kann. Sie könnte sogar meine Freundin werden. Ein stilvolles Alter Ego.»

Die Zeit vergeht. Ich vergesse die ganze Geschichte. Dann fallen mir die Informationen zu PREMIO in die Hände. Der Halbfinal ist in Basel. So ein Glücksfall! Ich könnte mein Begegnungsprojekt mit Helen W. mit einem künstlerischen Projekt verbinden. Und ich könnte zu Fuss nach Basel gehen. Von Freiburg. Das wird mir nicht schaden. Gemäss Google Maps sollte ich dafür rund dreissig Stunden benötigen.

Nun, das habe ich getan. Ich bin von Freiburg nach Basel gewandert. Ich habe mich auf die Suche nach Helen W. gemacht, um sie für eine Lektion Skateboard Unterricht anzufragen und um zusehen, was geschehen würde. Ich hatte Lust, sie auf altmodische Art zu finden, also habe ich Leuten auf der Strasse ihr Foto gezeigt – der Müllabfuhr, Floristen, Bäckern, Ärzten, Passanten und Passantinnen, Skaterinnen und Skatern. 

Aurore Jecker interessiert sich in ihrer Arbeit für das Persönliche und das Öffentliche und erforscht den Prozess der Autofiktion. Sie komponiert mit der Realität und bedient sich des Unerwarteten, um zu sehen, wohin es sie führt – vielleicht bis dorthin, wo sie nicht mehr weiss, wo die Realität aufhört und die Fiktion beginnt. Sie verflicht die Realität mit Fantasievorstellungen, Angstzuständen, Zufälligkeit und Fiktion.

Gleichzeitig interessiert sie sich fürs Storytelling – die Kunst, sich zu erzählen, seine eigene Geschichte zu schreiben und seinen persönlichen Mythos zu schaffen. 

Sie bevorzugt eine einfache und direkte Beziehung zum Publikum und eine konstante Verbindung zum momentanen Augenblick. Sie möchte, dass ihre Projekte entwicklungsfähig sind und sich an den Ort und den Zeitpunkt der Darstellung anpassen.