Tyra Wigg

squeeze

PROJEKTBESCHRIEB

«squeeze» ist ein immersives, choreografisches Stück von Tyra Wigg mit fünf Performer*innen, einem*r Sounddesigner*in und Massen von dicken, sinnlichen Textilien. «squeeze» untersucht orthopädische Berührungen, wie sie in der Massagetherapie verwendet werden, als empathisch ansteckende und ästhetisch verführerische Praxis. Die heterogene Gruppe von Performer*innen knetet, drückt, zieht, dehnt und schüttelt das Körpergewebe des*r anderen, angetrieben von einer unermüdlichen anatomischen Neugier. Sie stellen die in der westlichen Welt vorherrschende Vorstellung von «aktiven» Pflegenden und «passiven» Gepflegten in Frage und verwischen die Grenzen der Wahrnehmung davon, wer hier wen pflegt. Die körpertherapeutische Praxis entwickelt sich zu einem pulsierenden Terrain mit umgekehrten Beziehungen, Verlangen nach haptischer Bestätigung, vibrierendem Fleisch und immer weiter wachsenden Phantomgliedern.

Gebrauchte Schlafsäcke werden von der Künstlerin Ernestyna Orlowska mit neuen Bedeutungen versehen. Die Textilien verleihen den Performer*innen, dem Publikum und dem Raum selbst eine sinnliche und ästhetisch spielerische Hülle. Diese erlaubt den Performer*innen, ihre Identität zu verändern und zu verschleiern, während sie ihre persönliche Macht darüber ausloten, welche Körperteile sie sich gegenseitig und fürs Publikum sichtbar oder sogar berührbar machen. Auch die Zuschauer*innen werden mit ihren eigenen Wünschen nach körperlicher Berührung oder Nichtberührung konfrontiert. Gemeinsam erscheinen die Textilien und Körper als Gebende und Empfangende von Zuwendung, als Kleidungsstücke, organisches Material und abstrakte, bewegliche Skulpturen. Klangkünstler*in und DJ Thy Truong ist mit den Performer*innen im Raum anwesend und begleitet ihre Handlungen und Zustände mit dynamischen und audio-taktilen Kompositionen, die mit der Reibung und Harmonie zwischen Natur und Kultur spielen.

«squeeze» ist für grosse Innenräume gedacht und interagiert mit der spezifischen Architektur des jeweiligen Veranstaltungsortes. Das Stück ist auf eine Dauer von etwa drei Stunden angelegt, in denen das Publikum den Raum verlassen und zurückkehren kann, wann immer es will und muss. Die Zuschauer*innen können sich frei im Raum bewegen, sich auf den Textilien entspannen oder sich darin einwickeln. Der Raum ist für Rollstühle zugänglich und verschiedene Massnahmen einer «relaxed performance» werden umgesetzt.

Tyra Wigg (SE/CH) *1989 [hen, ty, they, iel]
ist ein*e interdisziplinäre Künstler*in und hat eine Basis in zeitgenössischen Tanztechniken und somatischen Praktiken. Tyra wuchs in Stockholm auf und lebt seit 2020 in Basel. Weiter angeregt durch therapeutische Praktiken wie Massagetherapie, ASMR-Trigger und geführte Meditation, macht Tyra choreografische Performances für Black Boxes, White Cubes und über das Telefon. Tyra wird von der Überzeugung angetrieben, dass Konzepte wie Ökologie und Queerfeminismus nur in einer intimen und neugierigen Beziehung zur eigenen Körperlichkeit vollständig verkörpert werden können.

Keine Veranstaltungen vorhanden.
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