Oliver Roth

ME TIME! A social convention

PROJEKTBESCHRIEB

Von und mit: Oliver Roth, in Zusammenarbeit mit Rabea Grand, Benny Hauser, Valentine Paley und Miriam Coretta Schulte

Don’t let me get me; sometime I need to be alone. I’m trying to arise from the depth of dullness, the sea of hardness and from the lack of emotion. There was a sense of disappointment at my 8th birthday party when the adults got drunk. I’m trapped in a butter rubbed baking tin. My endgame is a diner eve with a befriended couple - we’re drinking out of tiny booze glasses. The rebels are dead and the clowns depressed. I’m paddling out; I’m in another state; I’m diving into me time.

ME TIME! ist eine Vergegenwärtigung der Jugend! In einer Inszenierung aus Objekten und einem Playground der Vergänglichkeit werden die sozialen Konventionen des Älterwerdens über den Haufen geworfen. Mit einem Zugriff, der ultimativ auf den Moment gerichtet ist, wird die Nostalgie an die eigene Jugend und das eigene Älterwerden glorifiziert und gleichzeitig objektiviert. Es ist Zeit zu spielen, es ist Zeit für mich!

In ME TIME! möchte ich nach den sozialen Konventionen und Denkmustern fragen, die mit dem Erwachsenenalter und der Jugend verbunden sind. Warum wird an einem Geburtstag von Erwachsenen kaum gespielt, gemalt oder gebastelt, wie dies an Kindergeburtstagen der Fall ist? Weshalb habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich einen Tag lang einfach mal nichts mache? Weshalb gibt es keine Möglichkeit, mal wieder mit Freunden abzuhängen? Weshalb muss es ein Produkt namens „Me Time Box“ geben, das einem als Geschenk eine Auszeit gönnt, das einem mit Beauty Produkten und Entspannungsmusik gefüllt erlaubt, mal wieder Zeit für sich selber zu haben?

In ME TIME! wird der Modus der Selbstbeschäftigung weg von einem sprachlich verfassten Narrativ, hin zu einer durch Objekte vermittelte Erzählung verschoben. Über  die vergangene Jugend wird nicht mit Sprache erzählt, sondern ausgewählte Objekte werden durch ihre Inszenierung zum Sprechen gebracht. Indem mit Bezug auf Bruno Latours Akteur-Netzwerk-Theorie mit Objekten und ihrer eigenständigen Präsenz, ihrem Eigenleben gearbeitet wird, wird der formale Fokus von meiner Person weggenommen. Obwohl der Zugriff und die Auswahl der Objekte persönlich und subjektiv geschieht, werden die Inhalte durch die Objekte verallgemeinert und im wahrsten Sinne des Wortes objektiviert vermittelt. Mit einer Sammlung von Objekten, wie beispielsweise einer Nintendo Spielkonsole, einem Piaggio Ciao Mofa, Nokia Handys, Furbys, Slime, Halsbänder, Tamagotchis, Hacky Sack, Pokémon-Karten, Caps, Trollen, usw. entsteht ein Playground der Vergänglichkeit. Auf der Bühne entsteht eine Choreografie von Objekten und eine Performance der Interaktion mit diesen Objekten. Das Publikum wird beispielsweise selber miteinbezogen, ihnen werden Objekte ausgehändigt, sie legen selber Hand an, womit die im Theater übliche Distanz durch die Trennung von Schauen und Zeigen mit Hilfe von  Berührung und Interaktion überwunden wird.

In workshop-artigen Proben wird zusammen mit Kindern und anderen Profis der Momenthaftigkeit gespielt und sich ausgetobt. Beispielsweise wird ein ca. 10-14-jähriges Kind in den Proberaum eingeladen und gebeten 10 seiner liebsten Spielsachen mitzubringen. Ich präsentiere 10 Objekte aus meiner eigenen Jugend und Kindheit und bitte die eingeladene Person damit zu spielen. Danach werde ich selber mit meinen Sachen spielen. Anschliessend drehen wir die Situation um und ich spiele mit den Objekten des Kindes und es selber mit seinen eigenen. Wir spielen zusammen, toben uns aus, versuchen im Moment zu sein. Dazu hören wir Musik, tauschen uns aus und versuchen einen Spielplatz zu etablieren, auf den wir ungehindert und Intuitiv zugreifen können. 


ME TIME! ist eine Zuwendung zum Ich, zum Nahen, zum Subjektiven, zu dem was man kennt, zu sich selbst. Daraus ergibt sich ein politischer Ansatz in existenzialistisch, camuschem Sinne, der von einer bewussten Ich-Wahrnehmung ausgeht, ohne Egoistisch oder Egozentrisch zu sein.

Oliver Roth arbeitet als freischaffender Künstler im Feld der Performativen Künste. Er schloss den Master in Neuester Globaler Geschichte und German Studies an der Universität Bern und Valencia ab und arbeitete für Theaterhäuser und Festivals. Kollaborationen mit Martin Schick, Cosima Grand, Miriam Schulte, Balz Isler, vorschlag:hammer und Henrike Iglesias. Mit sozialen Formaten wie den ONE Talks und A Social Convention sucht er die Durchdringung der Kunst mit dem alltäglich Populären und dem Hyperkulturellen. 2016 zeigte er die long durational Performance SIBLINGS in der Gessnerallee, eine Ausstellung im Supermarkt für transform bern und die Totenfeier WHILE YOU WERE DEAD für das far Festival in Nyon und das Tanzhaus Zürich. 

Keine Veranstaltungen vorhanden.
Keine Veranstaltungen vorhanden.